Start Projekte Reviews Jörg (ftwctprecords)
Jörg (ftwctprecords)
Reviews

Metal for free Tibet Festival @ Apo-Haus, Essen, 15.03.2008


Tja, was soll man schreiben, wenn man die Bands noch nie gesehen hat, mit dem Songmaterial nicht vertraut ist, und dann muß ich auch noch allein ins Apo fahren, alle meine Kumpels haben sich ausgeklinkt. Tss tss. Die Hinfahrt mit der Bahn war ja noch recht einfach, doch mir schwante schon Arges wegen der Rückfahrt, denn kurz nach 11 Uhr sollte die letzte Bahn fahren – na ja, da macht man sich doch keinen Kopp raus.


Und wie es sich für mich schon anscheinend Usus ist, komme ich natürlich nicht pünktlich, die erste Band OPERATION MINDFUCK spielte schon auf, aber der Alex (git) hat mir dann gleich mal die Setlist auf nen Flyer gekritzelt – so unterschützt er auch noch meine Schusselei. Gleich am Anfang muss ich dann doch erst einmal Kritik üben: An alle Poser und Poserinnen, schön zuhause in die Sessel verzogen, oder was? Viel zu wenige Besucher für diesen Event, kann nicht glauben, dass nicht mehr als 170 bis 180 Fans anwesend waren. Wenn es irgendwann eine Fortsetzung gibt, dann habe ich hiermit schon mal eine Karte vorbestellt. Gute Mugge für nen guten Zweck – so muss das sein.

Zurück zu OPERATION MINDFUCK. Der Death Metal knallt live direkt bis in die hintersten Hirnlappen. Sehr gefällig, und Nackenbeschwerden werden die Jungens auch haben, denn man konnte sich herrlich an fliegenden Haaren ergötzen. Setlist: Eris, THC Bomb, Destruction in progress, Gluttony, Crush the scum, Collapsing aspiration, Bääm (nett, das Anhängsel, das der Song wirklich so heißt), Automutilation. Der Band wurde auch für eine Zugabe zurückgerufen, schon ungewöhnlich für den Opener – aber sie haben es verdient. Am Ende stellte sich dann heraus, dass sie für mich an diesem Abend der zweite Sieger waren – jetzt fehlt nur noch eine Vinylette, damit ich auch zuhause diese Band unterstützen kann.

Als zweite Gruppe mussten dann MY DOMINION ran. Wie bei allen anderen Gruppen war auch hier deutlich zu spüren, dass sich die Bands gegenseitig unterstützten – faire Geste, und endlich mal wieder Ausdruck dafür, dass man im Pott und in seiner „Szene" zusammen halten sollte. Irgendwie habe ich voll verpeilt, mir von den weiteren Gruppen die Setlist zu leihen, oder danach zu fragen – na ja, komm halt in die Jahre. MY DOMINION spielen in meinen Ohren sehr abwechslungsreichen Death Metal, der zwar auch mal ordentlich Fahrt aufnimmt, in der Regel kann der geneigte Hörer bei melodischen Metal gepflegt mit den Haaren den Boden putzen. An dieser Stelle mal schöne Grüße an die 1. Vorsitzende des Metal Moshpott e.V. Gabi, die mit ihren Haaren auch mal die eine oder andere Fleischwunde zufügen könnte – selbst Schuld, wer sich in die schätzungsweise eineinhalb Meter Propellerrotation wagt. Beim nächsten MY DOMINION Konzert werde ich definitiv besser vorbereitet sein – habe mir gleich den Termin am 11.06. in Mülheim notiert. Weiter so – und auch hier: ich brauche Vinyyyyyyyl!!

Nach kurzer Umbauspause waren EXECRATE an der Reihe. Ich habe ja gedacht, dass meine Vorurteile gegen null tendieren, aber als ich Masae (voc) sah, hab ich nur gedacht, was will denn die junge Frau da oben – und zack, growlte sie ins Mikro und belehrte mich eines besseren. Mein lieber lieber Belzebub, was für eine Stimme, und peng, da verpiselten sich die hässlichen Gedankenströme gleich Richtung Nackenmuskulatur und führten zu seltsamen Kontraktionen – wie bei den anderen Anwesenden auch, brauchte mir also keine Sorgen zu machen. Auch EXECRATE spielen ihren Death Metal sehr abwechslungsreich, langsame Parts wechselten sich auch in schöner Regelmäßigkeit mit strukturiertem Gebolze ab, der Hansi (dr) drosch auf seine Felle ein, die Axtträger Klaus, Christoph und Andi malträtierten ihre Saiten aufs herrlichst Übelste. Zur Krönung verdrängte dann Masaes Todesröcheln jeden Zweifel in jeder noch so matschigen Birne. Kleine Kritik am Rande: Kann ich auf Tonkonserve noch zwei Stimmen ausmachen, sind sie live doch sehr identisch, da würde ich mal dran arbeiten. Tat aber dem positiven Gesamteindruck keinen Abbruch.

Was schreib ich jetzt für eine Überleitung für das, was da über mich hereinbrach. Den Bandnamen TACHELESS fand ich sehr sympathisch, denn viel zu häufig wird um den heißen Brei gelabert, doch manchmal müssen Dinge einfach gesagt werden – TACHELESS halt. Und TACHELESS muckte auch gar nicht lange rum, der Death Grind Crust und was auch noch immer fetzte dir mal schuppdiwupp die Eingeweide weg, so ganz ohne Vorwarnung, einfach soooooo (sooo ist wohl auch Peddas Lieblingswort bei seinen Ansagen, wohl schon ne rituelle Ansage, Hals wieder in Ordnung?). Kaum hat man sich drauf eingestellt, da waren auch schon die schätzungsweise ersten 111 Songs runtergeholzt, Chapeau. Die komplette Kapelle tischte uns ihr Liedgut in kleinen blutigen Häppchen auf. Kleiner kreativer Vorschlag: Schickt TACHELESS mal kurz in den Tibet, die Probleme durch die fucking Chinaarmee dürften null komma nix erledigt sein, die halten TACHELESS niemals aus. Schade, dass ihr ausgerechnet am 18.04. in meiner Heimatstadt Bottrop gastiert, aber an diesem Abend werde ich mir Exodus im Turock ansehen (müssen) – und da freu ich mich schon sehr lange drauf.

Als Vorletztes konnten dann DARKNESS DESCENDED die Fans zu weiteren kreisenden Kopfbewegungen animieren, und ich wiederhole mich gerne, es sieht einfach total geil aus, wenn Jung und etwas Älter einfach zeigen, wie schön die Zotteln fliegen können. He, mit eurem „Wir kommen aus Heiligenhaus" habt ihr ganz schön in die Irre geführt, oder ist jeglicher Segen an euch vorbei gegangen? Nix mit entspanntem Kuschelrock, der Death/ Black Metal kommt doch eindeutig „South of heaven". Die Fans waren begeistert, oder wenn ihr es so wollt, in den unheiligen Bann gesogen worden. Es schepperte der Teufel aus allen Noten, warum zur Hölle wird das mal nicht auf pechschwarzem Vinyl gepresst? Die schnuckeligen Silberlinge sind einfach nicht die passende Grundlage für soviel hasserfüllten Anmut, also bitte das Medium wechseln – aber zackig. Und was vorher alle wussten, wurde dann auch prompt umgesetzt. Uns Tom Angelripper stürmte die Bühne, griff sich den Bass, und ohne eine Probe wurden dann drei Songs zum besten gegeben – keine Panik, die mangelnde Abstimmung hat keiner mitbekommen wollen – und nach „Ausgebombt" waren dann alle ausgepowert – bei diesem „Outbreak of evil" war auch kaum bei den Feierwütigen etwas anderes zu erwarten. Und wer hat sich dann bei Onkel Tom bedankt, mit ihm auf der Bühne gestanden haben zu dürfen? Wer das war und das hier ließt, weiß, wer gemeint ist.

Leider kam es dann zu einem Bruch in Gesamtablauf. Es gab zwar die Autogrammstunde mit Herrn Angelripper (ich konnte mal flugs die aktuelle Sodom Doppel-LP und die Vinylscheiben von Code red und M-16 signieren lassen, und Zeit für ein Erinnerungsfoto war auch noch), aber sehr zu meiner Enttäuschung machten sich viele nun auf dem Heimweg, und gaben somit PATH OF GOLCONDA nicht die Gelegenheit, vor ähnlich gefüllter Kulisse wie bei den anderen zu zeigen, was sie drauf haben. Ich kannte zumindest den Song „Metropolis rotting", ein geiler Thrash-Hammer vor dem Herrn. Der Death-Thrash-Metal hämmerte so unerbittlich ins schon vorgegerbte Kleinhirn, jeder Widerstand zwecklos. Für mich die Gewinner des Abends rein musikalisch gesehen; das Motto des Festivals war durchaus ernster und wichtiger. Spätestens zum Razorblade Festival im September bin ich wieder live vor Ort, um mich dann von meiner Nichtigkeit überzeugen zu lassen. PATH OF GOLCONDA fegten die vorher ausgekotzten Gedärme kurz und bündig in eine Suppe aus Eiter und Bullenpisse, fertig angerichtet für einen musikalischen Leckerbissen.

Mehr davon. Eingangs hab ich ja schon geschrieben, dass ich gleich ne Karte für das nächste Mal vorbestelle, und dabei bleibt es auch, aber einen dritten Kritikpunkt habe ich dann leider doch noch: Ein wenig Abwechslung bei der Bandauswahl wäre in meinen Augen nicht schlecht, vielleicht bin ich in meinem Alter aber auch schneller überfordert. Zum guten Schluss dachte ich, dass ich bis zum Hauptbahnhof laufen müsste, aber schon nach kurzer Zeit konnte mein Anhalterdaumen erfolgreich seine Winkversuche einstellen, denn zwei junge Mädels, die mal eben durch „ihre Stadt cruisen" wollten, nahmen mich ollen Metalhead mit und setzten mich direkt am Haupteingang ab, ich brauchte dann nur noch die Treppen hoch stolpern. Aber bitte die nächste Fahrt ohne Wodka, und der komische Hip Hop-Verschnitt fiel unangenehm auf – aber trotzdem sechshundertsechsundsechzig Mal Danke fürs Kutschieren.

Vinylographie: Lustig, lustig, da muß definitiv noch aufgeholt werden. Also bitte, meinen Herren, und gleich dem Jörg seine Sammlung vergrößern!

Jörg (http://www.myspace.com/ftwctprecords)

Das Team und natürlich die Bands bedanken sich für das fast durchweg positive Interview. Einem nächsten Besuch steht also nix im Wege ;).

Bitte registieren Sie sich oder melden Sie sich an, um einen Kommentar hinzuzufügen.